Niedergelassene Leistungserbringer und Labore
Praxisketten von Finanzinvestoren sorgen weiterhin für eine hohe Transaktionsanzahl und zunehmende Konsolidierung im Bereich der MVZ
Anzahl erfasster Transaktionen
2021
0
0
2022
0
0
Wesentliche Transaktionen
- Verkauf der RAD-x Management GmbH von Gilde Healthcare Partners BV an Vesper Infrastructure und Swiss Life Asset Managers
- Übernahme des Gelenkzentrum Rhein-Main mit drei Standorten durch den ambulanten Gesundheitsversorger Meliva (Mehiläinen)
- Erwerb der ZTK Zahngesundheit GmbH mit 14 Dentalpraxen durch die Evoco AG von Quadriga Capital
- Labcorp erwirbt von Cinven einen Minderheitsanteil am Laborbetreiber Synlab
Trends
- Im Jahr 2024 wurde die Diskussion über die Regulierung von MVZ mit Finanzinvestorenbeteiligung intensiviert. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2024 erlaubte es Mitgliedstaaten, die Beteiligung von Finanzinvestoren an Rechtsanwaltsgesellschaften zu verbieten. Die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sehen hierin eine mögliche Übertragbarkeit auf den Gesundheitssektor aufgrund ähnlicher Strukturen durch Freiberuflerpraxen und fordern entsprechende gesetzliche Regelungen. Gleichzeitig argumentieren andere Stimmen, dass die EuGH-Entscheidung nicht direkt auf MVZ anwendbar sei, da es wesentliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen gibt. Trotz dieser Debatten wurde bislang keine weitere spezifische Gesetzgebung zur Regulierung von investorengetragenen MVZ verabschiedet.
- Die Anzahl der Transaktionen sank im Vorjahresvergleich, befindet sich aber auch im Jahr 2024 trotz der angekündigten Verschärfung der Rahmenbedingungen für Finanzinvestoren auf einem hohen Niveau, die bereits im Jahr 2023 als möglicher Einflussfaktor für eine rückläufige Entwicklung gehandelt wurde. Zudem wurde ein neuer Gesetzesentwurf der ambulanten medizinischen Versorgung im Juni 2024 vorgelegt, der das Angebot verbessern und Ärzte entlasten soll. Ein zentrales Element hierin ist die Entbudgetierung der Einnahmen von Hausarztpraxen, was sich wiederum positiv auf Umsätze auswirkt und einen potenziellen Einstieg für Investoren attraktiver machen kann.
- Gilde Healthcare konnte seine Mehrheitsbeteiligung an der RAD-x Management GmbH an Swiss Life und Vesper Infrastructure veräußern. Zudem schließt GREENPEAK Partners den ersten sogenannten „Continuation Fund“ unter der Führung von HarbourVest für ACADEMIA ab. Weitere Desinvestitionen von Finanzinvestoren gab es nicht.
- Für 2025 werden wesentliche Veräußerungen durch Finanzinvestoren erwartet. Berichten zufolge befinden sich sowohl EOS Partners mit medermis als auch Apheon mit Ortivity in einem potenziellen Verkaufsprozess.
- Mit 16 Transaktionen fanden die meisten Übernahmen im vergangenen Jahr im Bereich der Dermatologie statt. Hierbei waren die Käufer in allen Fällen Finanzinvestoren. Insbesondere medermis (EOS Partners) und die CORIUS Deutschland GmbH haben großen Einfluss auf den Bereich durch eine schnelle Expansionsstrategie mithilfe der Übernahmen von Praxen mit ein bis drei Standorten.
- Die Anzahl der Transaktionen im Bereich der Radiologie und Strahlentherapie hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 17 auf 5 deutlich vermindert. Insbesondere die Zurückhaltung von Finanzinvestoren macht sich in diesem Bereich bemerkbar. Für 2025 hingegen hat die radiologische Gruppe Sanecum, die sich im Besitz der Finanzinvestoren Adiuva Capital und Montana Capital Partners befindet, den Erwerb der Mehrheitsanteile der Radiologischen Allianz in Hamburg angekündigt.
- Auch im medizinischen Laborsektor ist ein deutlicher Rückgang auf lediglich acht Transaktionen zu verzeichnen, von denen drei auf die Wachstumsstrategie der DELABO Group und zwei auf Übernahmen durch das St. Marien Krankenhaus Lampertheim zurückzuführen sind. Besonders hervorzuheben ist die Übernahme der letzten großen privaten Laborkette, LADR, durch Sonic Healthcare, die nach kartellrechtlicher Freigabe 2025 vollzogen werden soll und einen entscheidenden weiteren Schritt in der Marktkonsolidierung darstellt. Außerdem veräußerte Cinven eine Minderheitsbeteiligung des Labordienstleisters Synlab an den strategischen Investor Labcorp aus den USA.
- Im Bereich der Ophthalmologie, der im Vorjahr durch sechs Transaktionen ausschließlich mit Private Equity-Beteiligung geprägt war, fand im Jahr 2024 lediglich eine Übernahme durch das Universitätsklinikum Freiburg statt.
- Die Orthopädie war aufgrund einer Übernahme der Ortheum Gmbh (Deutsche Private Equity), sowie zwei durch die Ortivity GmbH (Apheon Capital) und durch die Meliva (Mehiläinen), die das Gelenkzentrum Rhein-Main übernahm, stark durch die Beteiligung von Finanzinvestoren geprägt.
- Zudem konnten im Jahr 2024 auch vier Transaktionen im Bereich Psychosomatik und Psychotherapie abgeschlossen werden. Verantwortlich hierfür sind neben dem Übergang der Psychiatrie des St. Elisabeth Krankenhauses auf die BBT-Gruppe hauptsächlich die Übernahmen der KBAP und KBAV Köln-Bonn, sowie des MVZ für Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie Köln durch die VALEARA Bottrop GmbH, die sich im Besitz des Finanzinvestors GENUI befindet. Dass in diesem Bereich verstärkt auf digitale Lösungen gesetzt wird, ist auch für Finanzinvestoren spannend.

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