Risk & Regulatory Radar
August 2026, Ausgabe 11

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Die Geschwindigkeit, mit der sich Bedrohungslagen, Regulierung und Geschäftsmodelle verändern, hat ein neues Niveau erreicht. Cyberangriffe, regulatorischer Druck und neue Formen der Wirtschaftskriminalität fordern Unternehmen gleichzeitig heraus. Wer hier reaktiv steuert, verliert Boden. Wer Resilienz, Kontrolle und Vertrauen aktiv gestaltet, gewinnt Handlungsspielraum – auf allen Führungsebenen.
Wie groß der Druck im Cyberraum ist, zeigt der 29. Global CEO-Survey von PwC: Ein Drittel der deutschen CEOs hält die eigene Organisation für sehr oder extrem bedroht – mehr als im globalen Schnitt und mehr als im Vorjahr. 62 Prozent planen, ihre Cybersicherheit in den kommenden drei Jahren in großem Umfang zu verbessern. Mehr Budget allein verändert jedoch wenig. Den Unterschied machen Entscheidungen, die Sicherheit strukturell verankern – im Security Operations Center, in der Lieferkette, in der Cloud und überall dort, wo Open Source Software zum Geschäftsrisiko wird. Genau hier setzen NIS-2, DORA und der Cyber Resilience Act an: Sie machen aus Compliance einen kontinuierlichen Resilienzauftrag.
Einen vergleichbaren Sprung erleben wir in der Steuerung komplexer Geschäftsprozesse. Die deutsche Bauindustrie zeigt es exemplarisch: Neun von zehn Unternehmen leiden unter steigendem Kostendruck, drei von vier nennen fehlendes fachliches Know-how als größte Hürde bei der Digitalisierung. Der Weg nach vorn führt über KI und Automatisierung – Infrastrukturprojekte werden erst dann beherrschbar, wenn alle Projektphasen auf einer gemeinsamen, KI-gestützten Datenbasis zusammenlaufen. Dieselbe Logik gilt für Interne Kontrollsysteme: Über 80 Prozent der Unternehmen nutzen bislang keine KI in ihren Kontrollaktivitäten. Erst Automatisierung und intelligente Auswertungen machen das IKS zu dem, was es heute leisten muss – ein dynamisches Frühwarnsystem statt einer manuellen Routinedisziplin.
Parallel verschärft sich die Lage bei Wirtschaftskriminalität. Mit dem neuen EU-AML-Paket entsteht erstmals ein weitgehend einheitliches Regelwerk gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – mit erheblichen Folgen für den deutschen Finanzsektor. 61 Prozent der deutschen Finanzinstitute rechnen mit starkem bis signifikantem Anpassungsbedarf, doch nur jedes dritte Institut traut sich zu, die Frist im Juli 2027 einzuhalten. Forensische Aufklärung wird damit zu einer strategischen Disziplin: Methoden müssen praxisnah trainiert, Schwachstellen früh erkannt und Untersuchungen technologiegestützt geführt werden.
Diese Ausgabe des „Risk & Regulatory Radar" bündelt Impulse, Studien und Lösungsansätze, die genau diese Bewegung unterstützen – von der ersten Risikobewertung bis zur belastbaren Steuerung im Tagesgeschäft. Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
See risk, take risk & manage risk
Robert Paffen, Head of Consulting, Leader Risk & Regulatory, PwC Deutschland


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